Teambuilding mit Stabfechten - hieb- und stichfest für den Alltag

Arne Schneider

Kennst du das auch? Wenn Teams nicht zusammenarbeiten, wenn die Zahlen nicht stimmen, wenn Abteilungen schlechte Bilanzen haben und der Erfolg ausbleibt?

Es ist oft eine Frage von Kommunikation und Beziehung unter allen Beteiligten.

Was wäre, wenn es eine Methode gäbe, die nachhaltig wirkt? Die nicht nur theoretisch, sondern erfahrbar und erlebbar ist? Stabfechten bietet hier eine Fullpackage-Lösung an. Du wunderst dich, weil du vielleicht dabei an Hauen und Stechen und an blaue Flecken denkst. Doch das ist es nicht. Diese Fechtkunst mit dem Stab geht in die Bereiche Persönlichkeitsentwicklung, Kommuni-kation, Konfliktlösung und schafft eine psychische und körperliche Balance. Durch die schönen raumgreifenden Bewegungen mit dem Stab bringt die alte und doch moderne Fechtkunst Menschen zusammen und führt sie vom Kopf in den Körper und wieder zurück in den Kopf. Der Erfahrungsraum, in den alle gemeinsam im Fechten kommen, bietet in vielen Fällen Lösungen und Aha-Momente an, die jeder als Transfer in seinen Alltag übertragen kann.

Im Teambuilding der besonderen Art werden nach einem kurzen Warm-up, effektive Vorübungen absolviert, die die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit sensibilisieren, um die eigenen körperlichen und mentalen Potenziale bewusst zu machen. So bin ich im Stabfechten sicher, präsent und fokussiert. Vorkenntnisse sind dabei nicht erforderlich.

Ein Gefecht ist wie ein Leben im Mikrokosmos

Stabfechten bietet mir Metaphern für mein Berufs- und Privatleben. Hieb- und stichfest sein, mich entscheiden, das Schwert aus der Scheide ziehen, Rücken an Rücken stehen – das sind Redewendungen aus der Fechtkunst, die ich erleben kann. Ein Gefecht ist wie ein Leben im Mikrokosmos. Jeder von uns kämpft kleine wie große Kämpfe mit den Kollegen, Partnern, mit Dingen oder mit sich selbst.

Wie kann ich ein Gefecht so bestehen, dass ich ohne Blessuren davon komme? Ist das überhaupt möglich? Um längerfristig viele Gefechte zu bestehen, kann ich mir Prinzipien anschauen, die sowohl in der Kommunikation wie im Gefecht gleichermaßen gültig sind. So ist es essenziell wichtig, die Gegensätze zu kennen, damit wir in der Balance bleiben, wie z.B. ‚Angriff‘ und ‚Verteidigung‘, ‚passiv‘, ‚aktiv‘. Angriff kann auch mit Initiative gleichgesetzt werden und Verteidigung als aktives Zuhören beziehungsweise das Lesen meines Gegenübers. Wenn ich angegriffen werde, ist es gesund zu parieren, also mal zuzuhören, was der andere zu sagen hat. Ein Angriff muss nicht gleich ein verletzender Angriff sein, sondern kann dich zu einem Gespräch einladen, nach dem Motto: Hey, lass uns mal sprechen. Wie bist du heute drauf? Das heißt, es ist auch wichtig zu erkennen, mit welcher inneren Haltung der andere mit mir ficht und im entsprechenden Maß zu handeln. Es ist wichtig, den anderen lesen zu können: Was will er von mir? Wie klar ist er mit seinen Hieben bzw. seiner Ansage? Klarheit spielt eine wesentliche Rolle. Je klarer der Hieb bzw. das Wort geführt wird, desto klarer der Gefechtsdialog. Der Fechtstab ist vergleichbar mit der Zunge. Mit ihm kann ich schnell, langsam, klar, oder undeutlich reden. Die Hiebe sind wie Worte, die Paraden wie das „Zuhören“. Je mehr Worte, also Hiebe ich kann, desto mehr Repertoire habe ich zum Reden. Doch das ist noch nicht alles. Wir müssen unser Gegenüber „sehen“ und „lesen“, ihm also unsere Aufmerksamkeit schenken. Wir müssen wissen, was wir sagen wollen (Ziele kennen) und ihm das mitteilen wollen (Intention), sonst kommt es nicht an.

Wir dürfen von dem Bild wegkommen, dass ein Gefecht verletzend sein muss und man mit Blessuren nach Hause kommt. Worte können tiefer schneiden als ein Schwert. Stabfechten hilft, ein Bewusstsein für Kommunikation zum Beispiel in einem Konfliktgespräch zu bekommen.

Ich lerne am “Du”

Fechten kann ich nicht alleine, ich lerne an meinem Gegenüber, der sich dankenswerterweise mir zur Verfügung stellt und mein Verhalten spiegelt. Das Tolle ist, ich bekomme umgehend Feedback auf einer nonverbalen Kommunikationsebene und lerne mich und mein Verhalten besser kennen. Die Sensibilisierung der Wahrnehmung ist dabei der Schlüssel, um die Situation einschätzen zu können.

Innehalten

Was wäre Lernen ohne innezuhalten? Wenn ich „getroffen“ werde (ich werde nicht wirklich getroffen, der Treffer wird nur angezeigt mit klarer achtsamer Stabführung), dann kann ich das verhindern, indem ich innehalte und reflektiere, was passiert ist. Wenn ich also beim Stabfechten gemeinsam mit anderen das gerade Erlebte reflektiere, bekomme ich mehrere Sichtweisen auf dieselbe Sache und bekomme dadurch vielleicht neue Lösungen für meine Herausforderungen präsentiert. Mit dem neuen Verständnis löse ich Schwierigkeiten, kann Entscheidungen treffen, ein Muster durchbrechen oder einen neuen Lösungsweg einschlagen. Zudem kann ich durch die Reflexion einen Transfer in den Alltag herstellen. Wenn ich dann wieder in die Aktion gehe, habe ich eine größere Chance als bisher, mein Verhalten zu ändern. Es geht bis in die Zellen über und bleibt nachhaltig in Erinnerung.

Grundlage von Beziehung ist Vertrauen

Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich zu öffnen, um einen Rahmen des Vertrauens aufzubauen. Doch wie geht das so schnell? Dieser Rahmen wird durch das Lernen der Fechtkunst selbst aufgebaut. Es werden drei Hiebe und Paraden vermittelt, die später in der freien kreativen Kombination von jedem Einzelnen einen Fechtdialog bilden. Jeder Hieb und die Paraden werden achtsam und klar geführt und stärken das Vertrauen zueinander.

Mit Stabfechten komme ich spielerisch in Erfahrungsräume, in Bereichen wie Kommunikation, (Selbst-)Führung, Druck, Balance, Ziele, Perspektivwechsel, Teamkompetenz, Wahrnehmung und Achtsamkeit. Ich erlebe viele Aha-Momente, die in nachfolgenden Feedbackrunden angeschaut und besprochen werden.

Ich werde mir meiner eigenen Verhaltensmuster bewusst und lerne neue Methoden der Wahrnehmung, Kommunikation und Selbstführung. Dass man durch einen einfachen Stab so viel Potenzial aus sich selbst herausholen kann, fasziniert Schneider nach wie vor – und dieser Enthusiasmus steckt an.

aene schneider

Tipps to go:

Erweitere dein Repertoire

Wenn du ein Angreifertyp bist, gehe in die Verteidigung. Wenn du eher der Verteidigertyp bist, gehe in den Angriff. So erweiterst du dein Repertoire und kannst gleichzeitig im rechten Maß handeln.

Fokus halten im rechten Maß

Versuche nicht nur, zielfokussiert zu sein und nur dein Ziel zu verfolgen. Dies führt auf Dauer zu Stress. In der Dynamik darf auch Ruhe sein. Tritt einen Schritt zurück und betrachte entspannt aus der Vogelperspektive, was um dich herum alles geschieht. Nur wahrnehmen. So entspannst du und bist im Jetzt. Gleichzeitig zur Entspannung bekommst du Anregungen, Ideen und kannst wieder zielfokussiert weiterarbeiten.

Lernen am “Du”

Sei bereit, von deinem Gegenüber zu lernen. Es spiegelt dich. Alles, was du tust, führt auch zu Reaktion. Die Reaktion ist seine Interpretation auf dein Handeln. Bleib also bei dir. Nicht jede Reaktion fordert eine Gegenreaktion. Umgekehrt schaue, was dich triggert: „Ach guck, warum rege ich mich darüber auf?“, könntest du dich fragen und wie ein Forscher der Sache nachgehen, woher dieser Trigger kommt. Meistens liegt die Antwort in der Vergangenheit in alten Erfahrungen. Diese gilt es mehr und mehr aufzulösen, um in das innere Gleichgewicht zu kommen.