Aus Sicht der Kandidat:innen

Carina Schäfer

Du fragst dich, wie deine Active Sourcing Ansprache bei deiner Zielgruppe ankommt?

Ich berichte dir von meinen persönlichen Erfahrungen mit Recruitern und Personalvermittlungen und lasse zusätzlich auch das Feedback von einigen Bekannten einfließen. Ist unser Feedback unfehlbar und steht unsere Meinung für alle? Nein!

Wer bin ich? Eine Kandidatin, die im ersten Quartal 2023 häufiger per LinkedIn angeschrieben wurde, denn ich bin auf Jobsuche. Leicht gefundene Beute denkt eventuell der ein oder andere? Weit gefehlt. Doch wieso? Nun ja, ich komme aus dem Einkauf und suche nach Jobs im HR-Bereich. Mein gesamtes LinkedIn Profil habe ich dementsprechend ausgebaut. Wer erhält trotzdem ausschließlich Anfragen für Einkaufstätigkeiten? Exakt – ich.

Es ist frustrierend zu wissen, dass man per Massennachricht angeschrieben wird und sich nicht die Mühe gemacht wird, die Suchergebnisse zu filtern.

Was brauche ich als Kandidatin, um dir zur antworten? Eine persönliche Ansprache, die zu der Unternehmenskultur passt, für welche du einstellen möchtest. Es geht um das Gefühl. Die Info, ob es eine Direktvermittlung oder Zeitarbeit ist, hilft auch.

Was genau meine ich mit persönlich? Sieh dir meine 3 Beispiele an. Von schlecht bis besser. Mit der ersten Nachricht kann man als Bewerber:in wenig anfangen. Die Mittlere nennt den Job und schickt einen Link mit. Die rechte Ansprache ist personalisiert und macht Lust zu antworten. In diese Richtung könnt ihr euch orientiert.

Was brauche ich nicht? Übertriebene Pitches oder offensichtliche Massennachrichten. Zu lange sollte die Nachricht auch nicht sein, denn dann wird sie ggf. nicht gelesen. Das birgt allerdings die Gefahr, dass sie zu wenige Infos enthält.

Sollte ich Rückfragen haben, beantworte mir diese bitte zuerst schriftlich und beharre nicht auf ein Telefonat. Nicht jeder möchte direkt, ohne diverse Rahmenbedingungen zu kennen, telefonieren. In einigen Branchen ist es für die Kandidaten auch wichtig zu wissen, mit welchen Tools gearbeitet wird. Wenn der Recruiter das nicht weiß, könnte das Interview mit dem Unternehmen vergebens sein. Je mehr Infos du also zur Stelle und dem Unternehmen hast, desto besser. Kannst du mir diese Fragen nicht beantworten, schreckt das leider ungemein ab.

Wieso empfinde ich es als abschreckend? Es wirkt so, als habe das Hiring Unternehmen nicht alle Details geteilt, was auf eine schlechte Employer Experience hindeutet oder du möchtest einfach nur für die KPI’s Telefonate sammeln.

Apropos Telefonat. Ja, es erleichtert einiges, allerdings kann ein Telefonat übergriffig sein, da du nie weißt, was dein Gegenüber gerade macht. Eine Nachricht per E-Mail zur Vereinbarung eines Termins funktioniert oft besser. Gleiches gilt im Übrigen für Nachrichten auf LI oder Xing. Greife nicht mehr als 1x nach, es kann sonst recht schnell aufdringlich wirken.

Was brauche ich für ein gutes Telefonat?

Nicht selten ist es mir und meinen Bekannten passiert, dass unser Gegenüber nicht wusste, wer wir sind, für welche Stelle wir angeschrieben wurden oder gar um welches Unternehmen es ging. Auch wurde einfach nur der Ort gegoogelt und die PLZ ausgelassen, was zu unmöglichen Entfernungen führte. Das vermittelt dem Kandidaten kein gutes Gefühl. Es wäre von Vorteil, wenn du dich kurz vorher nochmal einliest.

Mir ist aufgefallen, dass Personalvermittlungen leider auch oft Karteileichen erschaffen. Du meldest dich bei mir auf meine Bewerbung oder hast mich aktiv selbst angeschrieben, wir telefonieren, du nimmst meine Daten auf und ich habe nun ein Profil bei euch. Höre ich danach jemals wieder etwas? Leider nein. Wird aus dem Pool irgendwann mal wieder jemand vermittelt? Falls nein, ist eine Absage an der Stelle besser.

Des Öfteren habe ich Recruitern andere passendere Profile genannt. Nachdem ich mich mit meinem Bekannten dazu ausgetauscht habe, kam heraus, dass der Recruiter falsche Tipps zum Lebenslauf gegeben hat. Prinzipiell ist das eine super Idee und kannst du gerne machen, aber bitte dann korrekt. Diese Erfahrung kann ich nicht teilen, dazu habe ich nur gute Erfahrungen gemacht und sehr wertvolle Tipps von Recruitern erhalten.

Was ich mir als Bewerberin von dir als Personalberater wünsche:

  • persönliche Ansprache
  • Ernstgemeintes Interesse an meiner Person und nicht nur meinem Lebenslauf
  • Eine Absage ist in Ordnung, aber bitte nicht erst nach 6 Wochen – sollte bereits ein Gespräch stattgefunden haben, dann bitte nicht per Standardmail
  • Liefere gerne einen Mehrwert, denn meine Mail hast du bereits. Mach einen Unterschied im Vergleich zu anderen Beratungen
  • Wie wäre es mit kostenlosen Lunch-Webinaren, um mir oder den Unternehmen zu helfen den Markt besser zu verstehen? Niemand hat ein besseres Wissen in dem Bereich als ihr. Das schafft auf allen Seiten eine Bindung

Da wir alle nur Menschen sind, passieren hin und wieder jedem mal Fehler wie z.B.: Den falschen Namen verwendet, den Ort verwechselt oder dergleichen. Kommt vor, sollte dann entsprechend entschuldigt werden, sobald es auffällt. Ehrlichkeit währt hier am längsten und vielleicht catcht man den Kandidaten so trotzdem noch.

Wir alle wissen, dass die Fachkräfte hart umkämpft sind und dein Job kein leichter ist. Umso schwieriger wird es, wenn du als Beratung im Namen mehrerer und nicht dem eigenen Unternehmen auftrittst.

Trotzdem solltest du dir überlegen, wie du den Unterschied machen kannst. Was ist dein USP? Wie kannst du den Unterschied machen, um wahrgenommen zu werden und ein gutes Gefühl zu erzeugen. Ich hoffe, du konntest etwas Wertvolles für dich herausziehen und wünsche dir weiterhin viel Erfolg im Sourcing Dschungel.

Homeoffice-Beipackzettel: Stress und Übergewicht als Nebenwirkung

Priorität Vertrieb: Wie du als Personalberater mit Akquise Erfolg erzielst

Schnauze Chef

Die beste Präsentation? Ein Gespräch!

Recruiting 4.0