Social Media Recruiting als Werkzeug in der qualifizierten Personalberatung - der Schlüssel zur erfolgreichen Suche?

Felix Graffenberg
KON-PART GmbH
Mönchengladbach & Lippstadt

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Die Ansprache von passiven Kandidaten durch aktives Research & Ident ist in der klassischen Personal-beratung zu einer echten Herausforderung geworden. Träge Antwortquoten von Kandidaten, überlaufene Portale wie XING & Co sowie gut geschulte Telefonzentralen, die kaum oder nicht zu gewünschten Zielkandidaten durchstellen.

Seit geraumer Zeit ist das Thema Social Media Recruiting daher auch für Personalberatungen in den Fokus gerückt. Aber kann dieses Werkzeug die passenden Kandidaten liefern und, so suggerieren es einige Anbieter am Markt, sogar den klassischen Search überflüssig machen?

Wir haben uns schon sehr früh mit dem Thema beschäftigt und möchten unsere Erfahrungen an dieser Stelle gerne weiter geben. Als Personalberatung sind wir seit über 35 Jahren am Markt aktiv, unterhalten verschiedene Standorte in Deutschland mit in Summe 10 Mitarbeitern und sind unter anderem auch nach CERC/BDU zertifiziert. Wir betreiben ein eigenes Research & Ident und motivieren Kandidaten tagtäglich zu neuen Herausforderungen.

Durch meinen IT-Hintergrund haben wir bereits sehr früh mit dem Einsatz von Social Media Recruiting als Unterstützung im klassischen Search begonnen. Social Media Recruiting bedeutet für uns konkret: die Suche nach Kandidaten auf Facebook und Instagram. Diese beiden Plattformen sind im deutschsprachigen Raum die relevantesten, um Kandidaten zwischen 18 und 65 Jahren zu erreichen.

Hier kommen wir auch direkt zu einem relevanten Punkt: Social Media Recruiting erreicht die Kandidaten dann, wenn sie nicht damit rechnen, bzw. eben nicht nach einer neuen Job-Opportunity suchen – in ihrer Freizeit.

Daher bedarf eine Social Media Recruiting-Kampagne auch einer gewissen “Lockerheit”. Schließlich interagieren wir im ersten Schritt mit den Zielkandidaten nicht in einem Business-, sondern eben im Freizeitkontext.

Hierzu werden, je nach Zielposition, entsprechende Kampagnen für Facebook und Instagram mit aussagekräftigen Bildern, sogenannten Creatives, aufgesetzt und an eine zu definierende Zielgruppe als kostenpflichtige Werbekampagnen ausgespielt. Zu diesem Zeitpunkt ähneln die zu erbringenden Leistungen der einer modernen Werbeagentur. Hier muss man sich als Personalberatung bereits die Frage stellen, ob diese Kompetenzen im eigenen Unternehmen überhaupt vorhanden sind oder wie und wo man diese am freien Markt einkaufen kann.

Im weiteren Verlauf werden die Kandidaten dann, wenn sie mit der Kampagne interagieren, auf spezielle Landingpages, pro Position individualisierte Chatbots oder sogenannte Recruiting-Funnels, gelenkt. 

Ziel ist es in allen Fällen, die Kandidaten mit Vorinformationen zu versorgen, damit deren Interesse an der Position gesteigert wird und diese im Folgenden auch bereit sind, Ihre Kontaktdaten preiszugeben. Zusätzlich werden die Kandidaten zu dem Zeitpunkt durch Zusatzfragen bereits automatisiert vorqualifiziert, sodass nicht infrage kommende Kandidaten schon im Vorprozess ausgeschlossen werden.

Haben die Kandidaten den Prozess abgeschlossen und ihre Kontaktdaten mitgeteilt, so werden diese an den zuständigen Berater/Projektleiter in der Personal-beratung übermittelt. Dieser übernimmt den weiteren Kontakt, führt Telefonvorinterviews etc. Ab hier startet der klassische Prozess einer Personalberatung.

Klingt gut und einfach? Gut in jedem Fall – aber einfach? Die Tücke liegt hier an verschiedenen Stellen.

Zum einen ist es die Herausforderung, entsprechende Kampagnen aufzusetzen und vor allem während der meist 4- bis 6-wöchigen Laufzeit permanent zu überwachen und nachzujustieren. Hier benötigt es Werbe- und IT-Spezialisten, idealerweise in Personalunion, um die Kosten nicht nach oben zu treiben.

Als Nächstes ist es ein bewusstes Ziel dieser Vorgehensweise, zu Beginn möglichst viele eventuell passende Kandidaten in den Selektionstrichter zu bringen – aber diese müssen dann, in sehr kurzer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne noch hoch ist, weiter vorqualifiziert werden. In der Praxis hat es sich bewährt, diese Kandidaten binnen 24 Stunden oder spätestens am nächsten Werktag persönlich anzurufen. So lässt sich am einfachsten klären, mit wem man in weitere Schritte einsteigen möchte und für wen der Prozess an dieser Stelle endet. Je nach Resonanz auf die Social Media Recruiting-Kampagne kann dies auch schnell zu Kapazitätsengpässen in der Personalberatung führen, da hier durchaus zum Beispiel 20 bis 40 Kandidaten an einem Nachmittag vorqualifiziert werden müssen.

Wir haben festgestellt, dass sich all diese Leistungen in einer Personalberatung nur sehr schwer integrieren und abbilden lassen. Facebook und Instagram ändern regelmäßig – und oft in kurzen Abständen – die Rahmenparameter, damit Kampagnen überhaupt erfolgreich sind. Allein dieses Know-how vorzuhalten, war für uns selbst – und vermutlich für die meisten anderen Beratungen ebenfalls – nicht leistbar.

Um das Thema mit dem notwendigen, professionellen Anspruch zu begleiten, haben wir entsprechende

Experten eingestellt und diese mittlerweile in unser eigenes Start-up KON-TALENT überführt. Heute erbringt das Team für uns und unsere Kunden die entsprechenden Leistungen.

Wenn Sie das Thema Social Media Recruiting selbst angehen möchten, prüfen Sie zuerst, welche der nachstehenden Haupt-Themen Sie selbst abdecken können oder wo Sie externe Unterstützung benötigen:

– Creatives-Erstellung (Bild-, Video-, Textmaterial)
– Social Media Ad Setup (Zielgruppen, Targeting)
– IT- und Social Media-Kenntnisse (Tracking, Reporting, Optimierung)

Fazit: Wir sind überzeugt, dass Social Media Recruiting heute und auch künftig ein fester Be-standteil zur Gewinnung von Kandidaten in der Personalberatung sein muss. Ein relevanter Baustein, um mit einer 360-Grad-Suche am Markt für die Kunden erfolgreich zu sein. Aber eben auch ein Verfahren, das aufgrund der Komplexität der benötigten Leistungen anders als bisherige Recrui-ting-Wege, nicht von jeder Personalberatung selbst ausgeführt werden kann. Hier bedarf es Spezialisten, die sich regelmäßig mit den Themen auseinandersetzen und immer “up to date” sind.