Innenarchitektur: Mensch, Raum, Führung

Inga Ganzer, raumdeuter GbR

Willkommen an Bord – Räume laden ein und zeigen eine Haltung

Ein Beitrag über Innenarchitektur in einem Magazin über Personalberatung? Na klar! So wie Kleider Leute machen, wirken Räume auf Menschen, die in ihnen agieren. Da wir uns zu einem Großteil unserer Lebenszeit in mehr oder weniger bewusst gestalteten Innenräumen aufhalten, beeinflusst uns das alle. Und damit auch zukünftige Fachkräfte, Mitarbeitende, GeschäftspartnerInnen und EntscheiderInnen.

Der erste Eindruck beim Bewerbungsgespräch zählt nicht nur auf zwischenmenschlicher und auf fachlicher Ebene. Der Empfangsbereich, der Ort des Austauschs und der zukünftige Arbeitsplatz zeigen, wie in der Firma gearbeitet und wie den Mitarbeitenden begegnet wird – agil, klassisch, auf Augenhöhe oder hierarchisch, mit Herzblut und Spaß oder sachlich und rationell, strukturiert und zielstrebig oder spielerisch-experimentell … im Wettbewerb um Talente gibt es kein Patentrezept. Die Arbeitsumgebung sollte aber das Selbstbild und die Arbeitsweise verkörpern, weil sie so auch die passenden Menschen ins Unternehmen zieht.

Inga Ganzer

Raum wirkt! – Effizienz, Austausch, Ergebnisse durch passende Raumgestaltung

Zahlreiche Ratgeber reden davon, wie Besprechungen ergebnisorientiert durchgeführt und Arbeitsprozesse optimiert werden können. Alle guten Ratschläge nutzen jedoch wenig, wenn der Raum hallt und der Rücken schmerzt und das Denken durch die allzu starre Möblierung eingeengt wird.

Innenarchitektur und New Work: Das heißt nicht zwangsläufig Sitzsack, Kickertisch und Bällebad. Vielmehr gilt es, ein Arbeitsumfeld zu gestalten, in dem Arbeitsprozesse effizient erledigt werden können, ergonomisch-biologische Anforderungen berücksichtigt sind und Abläufe im besten und im übertragenen Sinne „beweglicher“ und flexibler werden. Zahlreiche Studien belegen, dass Besprechungen im Stehen schneller und effizienter sind, dass biophil gestaltete Umgebungen signifikant zum Wohlbefinden beitragen und dass Rückzugsorte von eminenter psychologischer Bedeutung sind. Die Einbeziehung von Mitarbeitenden im Homeoffice und von unterwegs funktioniert besser und stiftet Gemeinschaft, wenn die Technik für hybride Meetings intuitiv funktioniert.

Führungskräfte entscheiden über Ressourcen. Raumgestaltung kann dabei nicht nur Flächen effizient und flexibel nutzbar machen, sondern ermöglicht auch wertvolle Arbeitsergebnisse einer zufriedenen und gesunden Belegschaft.

Räume verändern – und Menschen mitnehmen!

Veränderungsprozesse jeglicher Art erfordern von Führungskräften und Beratungsunternehmen Feingefühl und Perspektivenwechsel. Umstrukturierungen und Neuordnungen, auch im Bereich Raumgestaltung dürfen in ihrer Wirkung auf Mitarbeitende nicht unterschätzt werden. Ob Umzug, Umstellung auf Desksharing, mehr Transparenz und Öffnung hin zu offenen Büroflächen: Zunehmend setzen sich Beteiligungsprozesse durch, etwa Workshops, Umfragen, Gestaltungswettbewerbe mit einer Jury aus der Belegschaft und Probe-Möblierungen oder Popup-Lösungen. Oft werden Agenturen für Change-Management einbezogen, um die Veränderungsprozesse zu moderieren.

Hier kommen auch verschiedene Generationen und Rollen im Unternehmen ins Spiel: Wer 30 Jahre in der Buchhaltung am festen Schreibtisch, mit Papierakte im Rücken und Enkelbildern auf dem Tisch gearbeitet hat, hadert möglicherweise eher mit neuen offenen Strukturen. Andere, frisch in der Marketingabteilung eingestellt, mögen es, mit dem Laptop unter dem Arm bei einem guten Espresso in der Cafeteria abteilungsübergreifend an neuen Konzepten zu feilen.

Menschen wollen gesehen werden! Das gilt bei der Gestaltung des Arbeitsumfeldes ebenso. Sich die Mühe zu machen, einen tatsächlichen Tagesablauf im Unternehmen nachzuvollziehen und Fallstricke und Hemmnisse im Detail zu verstehen, das unterstützt hilfreiche Veränderungen nicht nur im eigentlichen Fertigungs- oder Digitalisierungsprozess, sondern auch bei der Suche nach einer guten und sinnvollen Raumgestaltung.

Raumgestaltung im Unternehmen ist unabhängig vom persönlichen Geschmack

Beteiligung bei der Raumgestaltung – das heißt am Ende jedoch nicht, dass jeder und jede ihren persönlichen Geschmack umsetzen soll. Auch hier ist Führung gefragt. Professionelle Planungsbüros bringen die Anforderungen und Wünsche zu den Arbeitsabläufen in Einklang mit dem Corporate Design, den Unternehmenszielen und der Firmenphilosophie – die im Konsens oder durch Führungsgremien entwickelt und freigegeben wurden. Durchaus möglich, dass ein Handbuch für die Raumgestaltung entsteht: Auch ein Weg, um Entscheidungen für spätere Anwendungen zu strukturieren und den Kopf freizuhaben für neue Ideen und Projekte!

Gleichzeitig kann Innenarchitektur nicht alle Aspekte des Zusammenarbeitens lösen. Sinnvoll und unabdingbar sind gemeinsam entwickelte Regeln für den Umgang mit Lautstärke, Fokusarbeit, Häufigkeit von Besprechungen und dem Anteil an Remote-Tätigkeiten. Bei der Analyse der individuellen Anforderungen unterstützen die Planenden aber gern – als Komplizen und Wegbereiter.

3 Quicktipps für Ihr Büro:

  • Geben Sie dem Team Freiraum für gestalterische Mitbestimmung in einem professionellen Konzept, z.B. bei Bildmotiven. Das stiftet Identifikation und macht Spaß.
  • Elektrisch höhenverstellbare Tische sind nicht nur praktisch, sondern reduzieren auch den Krankenstand. Sie gehören inzwischen zum Standard.
  • „Goldene Regeln“ erleichtern die Zusammenarbeit über die Innenarchitektur hinaus.

Mein Fazit: Wer möchte, dass Mitarbeitende zurück ins Büro kommen, muss in das Büro Zeit, Herzblut und Geld investieren.

Von Freibeutern und Ruderknechten

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Schnauze Chef

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