Erfolgsbooster Sprache

Monika Deinhart
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Ist Ihnen das schon mal passiert? – Sie lancieren eine Stellenanzeige und es meldet sich niemand? Na ja, man muss es ja nicht übertreiben. Es meldet sich niemand, den Sie wirklich ansprechen wollten. Dann verändern Sie ein Wort oder stellen einen Satz um und plötzlich kommen wunderbare Bewerbungen.

Die Sprache in den Stellenanzeigen und natürlich auch in den Vorstellungsgesprächen sagt etwas über die gelebte Unternehmenskultur bzw. das Unternehmensimage aus. Schauen wir uns gemeinsam ein paar übliche Wörter in Stellenanzeigen an und ich teile meinen Blick und Interpretationen mit Ihnen. Natürlich ist es vernünftig, auch die eher dunkleren Schokoladenseiten der Zusammenarbeit aufzuzeigen, denn jemanden einstellen und schnell wieder verlieren, das ist teuer.

Junges“ Team:

Ein „junges Team“ bedeutet für mich: Dahinter steckt der Wunsch nach einem Berufsanfänger mit eher wenig Erfahrung. Das beinhaltet dann, dass Sie genügend Kapazitäten freihaben, um ihm die Tricks und Kniffe mit viel Geduld zu zeigen.

Junges Team kann aber auch bedeuten, dass das Team gerade erst am Entstehen ist und unabhängig von Alter und Können Menschen gesucht werden, die bereit sind, etwas Neues aufzubauen und Lust am Miteinander haben.

Je konkreter Sie also schreiben, was Sie wirklich suchen, desto schneller erreichen Sie Ihre Wunschkandidaten.

Einzelkämpfer:

Lese ich das Wort Einzelkämpfer, dann mache ich mir sofort Gedanken um meine Urlaubs-vertretung und auch ein Nachfragen bei kritischen Themen. Ich werde alleine gelassen auf einem Posten und darf auch noch kämpfen? Das ist auf Dauer sehr anstrengend und sicherlich auch weniger gewünscht. Menschen, die alleine arbeiten wollen, erlebe ich als eher introvertiert und weniger durchsetzungsstark. Suchen Sie eher jemanden, der durchset-zungsstark und entscheidungsfreudig ist? Oder möchten sie jemanden, der auch in Krisensituationen seinen Standpunkt hat und diesen auch klar darlegen kann?

Leitungsposten, der auch an der Basis mitarbeitet:

Das enthüllt für mich sofort den Personalnotstand und deutet auf weiteres Chaos im Unternehmen hin. Es vermittelt den Eindruck, dass das Mitarbeiten an der Basis eher die Regel als die Ausnahme ist. Fachkräfte, die bewusst eine Weiterbildung zur Führungskraft gemacht haben und den Geist leben, werden sich darauf nicht bewerben.

Das leitet über zu dem nächsten Begriff, den ich vermehrt lese:

Improvisationstalent:

Auch dieses gewünschte Improvisationstalent deutet auf ein permanentes Troubleshooting hin.

Es legt die Sicht frei auf ein Unternehmen, dem geregelte Prozesse und Abläufe fehlen oder in dem sie nicht gelebt werden. Die Mitarbeitenden erwartet eher Dauerstress und sehr verkürzte Pausen.

Und jetzt komme ich zu den Benefits:

Was wird unter einem angenehmen Betriebsklima verstanden? Verbirgt sich dahinter ein gemeinsames Verbringen der Pausen? Oder deutet dies auf ein sehr langsames Arbeiten hin? Gibt es permanente Team-Events, an denen erwartet wird, dass alle mit Freude teilnehmen?

Monika Deinhart

Je nach Lebensabschnitt haben die Bewerbenden unterschiedliche Auffassun-gen von einem angenehmen Arbeitsklima.

Je klarer Sie wissen, welchen Typ Sie aktuell wollen, desto konkreter können Sie formulieren, wen Sie suchen und was Ihre Spannbreite ist.

Die oft weichgespülten Erwartungen führen häufig eher zu Differenzen. Notwendig sind aus meiner Sicht Dialoge auf Augen-, Bauch- und Herzhöhe. Manchen Bewerbenden fehlen am Anfang die richtigen Worte – oder einfach der Überblick, was zu Differenzen führen kann.

Deshalb hier meine 3 Tipps to go für Ihre Stellenanzeige:

1. Kreieren Sie neue Wörter und erwecken Sie so Aufmerksamkeit. Beispiel:
Unsere Unternehmens-Drops statt Unternehmens-Benefits

2. Drehen Sie den Spieß um und erhalten so Infos, was aktuell das Trend-Benefit sein könnte: Ihr Wunsch-Drop ist nicht dabei? Schreiben Sie Ihren Wunsch-Drop in Ihr Anschreiben.

3. Die fett geschriebenen Anforderungen sind unser Minimum. Jede Erfüllung unserer kursiv geschriebenen Anforderungen bringt uns schneller zusammen.

So vermeiden Sie Prozentangaben:

1. Überstunden sind bei uns ab und zu nötig und werden in Freizeit ausgeglichen.

2. Für mutige Unternehmen: Mindestlohn erhalten Sie bei uns schon mit „40“ Minuten/Stunde.

Alternativ: Mit 40 Minuten geleisteter Arbeitszeit/Stunde haben Sie mehr als Mindestlohn verdient.